20 Aug

Dilemmata partizipativer Kunst im Prozess

Kunstproduktion ist gekennzeichnet durch ein weites Feld an Möglichkeiten. Kann man sagen, dass es immer mehr eine Verschiebung von werkorientierten Formen zu projektorientierten Arbeiten mit Prozessen und Partizipation gibt?

Ich diskutier hier mal nicht über die Inhalte, die Substanz oder auch die Potentiale dieser Arbeitsformen, sondern über die Konsequenzen für den künstlerischen Arbeitsertrag. Denn diese künstlerische Konzeptform verhält sich inflationär zur Marktneigung künstlerischer Eigenprofilbildung als Besonderheit.  Es ergeben sich Dilemmata und paradoxe Bezüge.

  • Der Künstler ist gebunden in eine Eventform, das Werk muss stattfinden und eine Bedeutung erlangen, die gesehen wird – just in time. PR, Eigenmarketing und Imagepflege sind Teil des Werks oder auch Voraussetzung für das Werk.
  • Diese Zusammenhänge produzieren neue Abhängigkeitsformen in der Bewertung und Zuschreibung des Werks.
  • Das Werk diffundiert in mehrere Medien, gleichzeitig nimmt der eindeutige Materialgehalt des Werks ab oder die Materialität fehlt gänzlich.
  • Der Kunstmarkt ist nach wie vor fixiert auf eine wie auch immer geartete Form der Materialität. Natürlich sind jegliche Art der Dokumentation, Code oder Text / Skizze mögliche Formen, aber im Ertrag sind diese nicht prioritär.
  • Es entwickelt sich ein neuer Markt der Auftragskunst. Kunstprozesse und partizipative Projekte werden als eine Form künstlerischer Dienstleistung für die Stadtentwicklung, den Kulturmarkt oder Bildungsanliegen in Wettbewerben ausgeschrieben, bewirtschaftet und für fremde Kontexte adaptiert. Das Setting bestimmt die Auswahl, das Werk als solches ist abhängig und in der Existenz nicht eigenständig.
  • Partizipation prägt Qualität und Existenz des Werks. Zur Ausformung des Konzepts besteht die Teilhabe an der Beteiligung vorgegebener Handlungen und Arbeitschritte. Die Ausführung ist offen, das Ergebnis offen, die Durchführung ist abhängig von den Beteiligten, dennoch scheint es keine echte Teilhabe, wenn die Handlung und die Form vorgegeben sind.
  • Echtheit und Authentizität sind Anspruch und Paradoxon zugleich. Echte Teilhabe bedeutet dann ein Einbringen der Personen in den Prozess, in die Form und in die Gestaltung der Rahmenbedingungen. Das künstlerische Konzept und die Idee wäre dann eine Struktur oder eine Konstruktion zum gemeinsamen Handeln, die visuelle Form, Ursprung bildender Kunst, wäre ein Aushandlungsprozess oder sogar ganz nachrangig.